Redaktion25: Teamwork im Lokaljournalismus neu denken
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In dieser Folge spreche ich mit Kai Gohlke, Chefredakteur bei Oberpfalz Medien. Kai hat die Redaktion in den letzten Jahren durch umfassende Veränderungen geführt – vom Aufbau datenbasierter Arbeitsprozesse über die voll personalisierte Ausspielung von Inhalten bis hin zu restrukturierungsprojekten wie „Redaktion25“. Wir sprechen über die Zukunft der Redaktion, wie Personalisierung erfolgreich umgesetzt werden kann, und wie unabhängiger Lokaljournalismus auch in Zeiten digitaler Transformation und wirtschaftlicher Unsicherheit nachhaltig gestaltet werden kann.
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Mein Kollege Stefan Zuruba, der auch Mitglied der Chefredaktion ist, hat das mal in einem Satz sehr schön zusammengefasst: "Themenmanager sorgen dafür, dass wir die richtigen Themen machen und Reporter sorgen dafür, dass wir die Themen richtig machen." Also das sind tatsächlich die Spezialisten darin, wie wir Themen erzählen. Moin aus Kiel zur neuen Folge von Ressort21, dem Podcast über Innovation und Digitalisierung in der Verlags- und Medienwelt. Ich bin Tim Großmann und spreche heute mit Kai Gohlke, Chefredakteur bei Oberpfalz Medien. Kai hat die Redaktion in den letzten Jahren durch umfassende Veränderungen geführt, vom Aufbau datenbasierter Arbeitsprozesse, über die vollpersonalisierte Ausspielung von Inhalten bis hin zu Restrukturierungsprojekten wie Redaktion 25. Wir sprechen über die Zukunft der Redaktion, wie Personalisierung erfolgreich umgesetzt werden kann und wie unabhängiger Lokaljournalismus auch in Zeiten von digitaler Transformation und wirtschaftlicher Unsicherheit nachhaltig gestaltet werden kann.
Aber genug erzählt, viel Spaß bei der Folge. Moin Kai. Morgen. Freue mich, dass du dir die Zeit nimmst. Sehr gerne.
Ist ja nicht selbstverständlich. Genau, ich habe vor kurzem gesehen bei euch, bei dir auf LinkedIn tatsächlich, dass bei euch so ein kleiner Running-Gag ist. Nächstes Jahr wird es ruhiger. Von dem, was man so auf LinkedIn alles von dir mitbekommt, von euch mitbekommt, ist das ja wirklich nur ein Gag, oder? Ja, es ist ein Gag.
So funktioniert es auf zwei Ebenen. Das eine ist, wir haben die Veränderung in der Redaktion, wir haben so vor knapp acht Jahren jetzt gestartet, von Anfang an bewusst sehr organisch angegangen. Also wir hatten nie so den großen Knall, wo wir gesagt haben, ab morgen ist jetzt alles anders. Das hat viele Vorteile. aber führt halt auch dazu, dass gefühlt für die Kolleginnen und Kollegen in der Mannschaft halt ständig so kleine Veränderungsschritte kommen und sie das Gefühl haben, wir kommen nie zur Ruhe, was ein Stück weit, glaube ich, auch stimmt.
Und auf der zweiten Ebene, und da kam es eigentlich noch mehr her, war es tatsächlich so auf dieser Führungsebene, das heißt das Anschieben im Change in der Entwicklung der Redaktion. Das war in der Vergangenheit auf sehr wenige Schultern verteilt, ist zum Teil auch so ein bisschen mehr gegen die bestehende Organisation erfolgt als statt mit der Organisation. Und das war auch ein Grund, warum wir gesagt haben, wir müssen uns jetzt komplett neu aufstellen. Aber gerade innerhalb dieses relativ kleinen Kreises von Anschiebern, war halt oft so dieses Stück weit auch aus dieser Verzweiflung, was soll man jetzt noch alles machen? Und dann kam halt so, nächstes Jahr wird es dann ruhiger.
witzig, finde ich ganz unterhaltsam. Bevor wir aber auf die ganzen einzelnen Themen eingehen, die ihr ja macht, also was ja wirklich eine Menge in der Zahl ist, vielleicht kannst du ein bisschen was zu dir erzählen, einmal kurz, wer du bist, wie es sich auch zur Mediengruppe, zu Urfallsmedien verschlagen hat, was du da vorgemacht hast und Und ja, so ein bisschen die Historie. Ja, sehr gerne. Ich bin, ich sage das immer in den Vorstellungsrunden, von der Pike aufgelernter Lokaljournalist. Also vor 30 Jahren begonnen bei der Mittelbayerischen Zeitung.
Ja. das so, ja, neben dem Neuen Tag, also Oberpfalz Medien, wo ich jetzt bin, so die zweite Zeitung bei mir in der Region zu Hause. Ich habe damals bei der Mittelbayerischen angefangen, weil mein Vater tatsächlich damals hauptberuflicher Freier, als ich damals noch beim Neuen Tag war und ich wollte irgendwie halt woanders hin. Und war da erst als Pauschalist in der Redaktion, habe dann da irgendwann auch mein Volontariat angefangen, war dann in verschiedenen Stationen Lokalredakteur, Wirtschaftsredakteur und habe aber sehr früh gemerkt und auch so meine damaligen Chefs, dass das, was mir besonders liegt, eben ist, sich mit der Organisation von Redaktionen zu beschäftigen, wie die arbeiten, mit welchen Systemen sie arbeiten. Und das ist dann auch so ein bisschen das, und bin dann sehr stark eben auch die in diese richtung gerutscht am anfang war ich gar nicht scharf auch auf führung das war nie so mein ziel aber habe dann halt festgestellt okay wenn meine organisation weiter entwickeln will dann muss man halt auch in der führung gewisse verantwortung übernehmen.
War dann bei der Mittelbayerischen eben bis vor acht Jahren, jetzt knapp, und habe dann eben die Chance bekommen, das Angebot bekommen, hier im Haus die Redaktion weiterzuführen auf dem Weg in die digitale Transformation. Damals war die Situation so, da war schon einiges passiert hier im Haus. Das O-Netz, also damals noch Oberpfalz Netz, ist eines der ältesten tatsächlich Nachrichtenportale von regionalen Tageszeitungen. Deswegen waren wir tatsächlich da relativ vorne dran. hat dann aber zwischendurch so ein bisschen den Schwung verloren.
Und in dieser Phase sind wir halt dann gekommen, also wenn ich "wir" sage, meine ich in erster Linie meistens Tom Webel und mich. Tom Webel, unser leitender Redakteur Digital, ist auch hier meinem Büro gegenüber. Wir hatten dann den Auftrag von der Geschäftsführung, uns weiterzuentwickeln als Redaktion in Richtung Digitales. Das war am Anfang nicht ganz einfach, weil da gab es schon große Beharrungskräfte in der Redaktion. Wir haben am Anfang noch gearbeitet.
Kannibalisierungsdebatten geführt. Wenn wir die Inhalte online stellen, dann ist ja klar, dass die Leute deshalb die Zeitung nicht mehr abonnieren und solche Dinge. Wo man jetzt mit einem gewissen Schmunzeln auch drauf zurückschaut. Aber damals war das halt ein ganz reales Thema und das waren so die ersten Themen, die wir tatsächlich angehen mussten. ach was okay also das heißt ja du hast gesagt du hast auch schon ein paar folgen gehört auch immer so ein Thema was ich so ein bisschen noch nachfragt wie wie ist so die das Change der Change passiert wie wie haben so die Menschen reagiert im Team in der Redaktion aber auch spannend dass das zu hören dass sie da wirklich dann diese wie gesagt das kann die ballisierungs Diskussion auch geführt habt im Endeffekt ja wer soll denn noch die Printausgabe kaufen wenn wir alles kostlos oder hinter den Abo dann ja irgendwann wahrscheinlich online stellen.
Genau, die haben wir innerhalb der Redaktion tatsächlich noch geführt. Die haben wir auch im Haus geführt, Gott sei Dank nicht mit der Geschäftsführung. Also da war es schon so, dass die Geschäftsführung damals schon diesen Weitblick hatte, zu sagen, wir müssen in diese Richtung gehen. Aber so mit anderen Bereichen des Verlags durchaus. Und ja, haben wir halt immer versucht viel darüber zu sprechen, zu erklären, warum es so ist.
Und wie gesagt, eben sehr organisch diese Entwicklung anzugehen. Und im Prinzip ist das, was wir jetzt tun, da hängt jetzt ein Name dran und es ist tatsächlich auch ein großes Projekt und ist auch tatsächlich eine Zäsur in der Entwicklung der Redaktion. Aber fußt am Ende auf dem, was wir halt jetzt hier die letzten acht Jahre getan haben. Ja, klar. Aktuell habt ihr dann auf jeden Fall ein Abo-Modell, schätze ich mal.
Also einfach eine digitale Subscription. Genau, plus Abo, ja. Klassisch. Ja. Wie ist da, kennst du das Verhältnis zwischen digital und Print bei euch?
Ja klar, also wir haben so um die 50.000 Printabos. Das war bei uns ähnlich wie bei vielen anderen Verlagen. Der Rückgang ist so während Corona ein bisschen gestoppt worden. Dafür hat uns danach umso härter getroffen. Wir haben uns jetzt da ein bisschen erholt, das ein bisschen eingepegelt gemacht.
Aber tatsächlich ist natürlich klar, so die Print-Abonnenten, die wir haben, die werden im Durchschnitt immer älter. Neue zu gewinnen, ist ein Riesenaufwand und trotzdem fast nicht mehr möglich. Das heißt, wir müssen uns halt darauf einstellen, dass diese Entwicklung so weitergeht. Und digitale Abonnenten insgesamt haben wir jetzt so um die 16.000, 17.000. Das sind tatsächlich die ganz aktuellen Zahlen, gerade in dem Kopf.
Und davon sind so gute 10.000 EPUB-Abonnenten und der Rest Plus-Abonnenten. Ja, spannend. Eins von den großen, gerade auch Digital First, würde ich das ja nennen, Projekten, die ihr habt, ist Redaktion 25. Kannst du da ein paar einführende Worte sagen, was das genau ist? Ja, also das ist ein, also da ging es tatsächlich darum, uns zu überlegen, ganz grundsätzlich, wie wollen wir als Redaktion in der Zukunft arbeiten.
Und Auslöser dafür war Gespräch mit unserem Geschäftsführer, da ging es um Personalbedarfsplanung. Also wir haben immer so einmal im Monat eine Runde, wo wir uns eben überlegen, wie wir wie viele Leute brauchen wir in der Zukunft, in welchen Teams auch, in welchen früheren SOAS-Abteilungen, wie man es auch immer nennt, inzwischen sind wir bei Teams. Und das war eben so Ende 2023 haben wir darüber gesprochen und diese Planung, die sollte immer so einen Horizont von drei bis fünf Jahren haben und dann habe ich zu unserem Geschäftsführer Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie wir in fünf Jahren als Redaktion, also wie viele Leute ich in welchen Teams brauche, wie viele Mediengestalter ich brauche, ob wir in fünf Jahren tatsächlich viel mehr Videos machen als jetzt, in welcher Form wir die Zeitung noch produzieren, wie auch immer. Und dann kam von ihm so die eine Frage, die dann so die Grundlage für das Projekt war, ja wie würden Sie die Redaktion denn aufstellen, wenn Sie jetzt auf der grünen Wiese neu anfangen könnten? Und die Frage hat mich dann einige Tage lang sehr stark beschäftigt.
Und ich habe dann dem Impuls widerstanden, das so zu machen wie früher, nämlich mich hinzusetzen und quasi mir selber was zu überlegen, auszudenken und das hinzuschreiben. Sondern gesagt, nee, das ist so wichtig und so groß, wir müssen das mit der gesamten Redaktion entwickeln. Und haben das dann wirklich als Projekt aufgesetzt, tatsächlich mit einem Zeithorizont von einem guten Jahr. Wir haben gesagt, wir müssen uns einfach darüber unterhalten, ganz grundsätzlich, welche Rollen brauchen wir in Zukunft in der Redaktion? Wie müssen wir zusammenarbeiten?
Wie laufen Entscheidungsprozesse? Wie stellen wir uns Führung vor? Wie stellen wir uns auch Innovation vor? Also wie kriegen wir es tatsächlich hin, dass Innovation funktioniert? fester Bestandteil ist.
Das ist ja immer so, das sagt jeder so, ja, wir müssen das hinkriegen, dass Innovation quasi fester Bestandteil der Unternehmenskultur oder der täglichen Arbeit ist. Aber wie man das dann konkret macht, dann sind es am Ende dann doch wieder zwei, drei bis fünf Leute, die irgendwie Dinge anschieben, Und da war wirklich eben die Überlegung ganz grundsätzlich: Wie kriegen wir das hin? Hat dann auch gepasst zu einem Prozess, der insgesamt im Unternehmen gelaufen ist, wo es auch um Unternehmenskultur ging, wo es um Führung ging. Und wir haben dann viele Dinge, die wir da schon für das ganze Unternehmen erarbeitet hatten, gerade in Richtung Führung und Innovation. Projektkultur dann eben übernommen, eingebaut in dieses neue Konstrukt.
Okay, und du hast ja auch schon mehrfach von dem starken Team an der Spitze gesprochen, jetzt macht das auch mehr Sinn, wenn du sagst, dass du in Anführungszeichen gefragt wurdest, wie stellst du dir das vor, wenn du gesagt hast, hey, Das kann ich mir alleine nicht vorstellen. Ich brauche noch mehr Personen im Team, wo wir dann darüber diskutieren können, wie sieht so ein Redaktionsteam aus in der Zukunft. Jetzt die Frage natürlich: Wie sieht es denn jetzt aus? Also zuerst ging es tatsächlich nicht nur um diese Führungsmannschaft, sondern wir haben in dem Prozess die gesamte Redaktion einbezogen. Das sind bei uns gute 100 Leute, also so 110 Leute, davon so um die 80 Journalisten.
Dann kommen noch eben so Teams wie Administration dazu, Mediengestalter und Fotografen, auch Lesermarkt. Lesermarkt ist bei uns Teil der Redaktion, kommen wir vielleicht später nochmal dazu, warum und wieso. Und also das war wirklich der Anspruch, die alle mit einzubeziehen. Und wie die Struktur jetzt konkret aussieht, ist einerseits gar nicht so viel anders als vorher auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick unterscheiden sich dann viele Dinge, vor allem dadurch, dass wir sehr stark eben an diesem Planungs- und Erstellungsprozess von Inhalten immer mit Blick auf die gemessenen Interessen der Nutzer ausgerichtet haben.
Also es gibt Neue, das gab es vorher nicht. einen Themen-Desk mit Themenplanern, die also hauptberuflich quasi nichts anderes tun, als sich damit zu beschäftigen, welche Themen, Ideen gibt es aus der Redaktion oder auch aus dem ganzen Haus oder auch aus der Leserschaft. die zu bewerten, zu ordnen, zu schauen, auf welche Nutzerbedürfnisse können die einzahlen, je nachdem wie man sie dreht. Und das dann eben in die Teams zu geben, da geht es dann in die Umsetzung. Und dann kommen Inhalte raus, die jetzt erstmal noch nicht geplant sind für irgendeinen bestimmten Kanal.
Das ist ja das, was wir früher gemacht haben. Meistens haben wir überlegt, was brauchen wir denn übermorgen für die Seite 1. Das war dann die Grundlage für Geschichte. sondern tatsächlich geht es dann erst, wenn das Thema fertig ist oder zumindest fertig geplant ist. Dann gibt es eben die beiden getrennt voneinander sozusagen agierenden Teams, einmal für Print und einmal für das Digitale, die dann überlegen, okay, was machen wir jetzt mit dem Inhalt, welche Leute wollen wir damit erreichen, welcher Kanal eignet sich da am besten, wie transportieren wir den Inhalt in dem jeweiligen Kanal.
Und damit haben dann auch die Reporter nichts mehr zu tun. Das ist so einer der Sätze, die ich, also ich mag das ganz gern, so in so einem Change-Prozess auch mal mit so bestimmten Aussagen mal so ein bisschen die Diskussion anzukurbeln, sage ich mal. Und einer der Sätze, den die Kollegen von mir jetzt schon mehrfach gehört haben, ist, die einzige richtige Antwort auf die Frage eines Reporters, wo in der Zeitung steht denn meine Geschichte, ist das geht dich nichts an. Und dann war natürlich im ersten Moment ja, war halt schon großes Erstaunen und dann Ich habe gesagt: "Ja, natürlich wollen wir jetzt auch nicht respektlos miteinander umgehen, aber die Botschaft ist halt eigentlich müsste man nicht sagen, es geht dich nichts an, sondern man müsste sagen, das muss nicht deine Sorge sein. Du konzentrierst dich auf den Inhalt und wo der Artikel dann steht, gerade in der Zeitung, darum kümmern sich dann andere, denen du dann auch vertrauen musst." Ja, dieses gegenseitige Vertrauen ist auch einer der Eckpfeiler von diesem Projekt.
Also wenn wir das nicht hinkriegen in der neuen Struktur, dann kann die nicht funktionieren. Okay, also die Idee ist runtergebrochen. quasi Themen-Teams, man hat isolierte Teams, die sich selbstständig um einzelne Themen kümmern, die dann im allerbesten Fall gar nicht groß mit den anderen Teams irgendwie zu sehr im großen Austausch stehen müssen, um Informationen hin und her zu schieben, weil das eine gekapselte Einheit ist. Genau. Und die Einheit, also gerade eben diese Reporter-Teams vor allem, gehört auch die Medienproduktion dazu, aber im Wesentlichen, also für die meisten Inhalte sind es halt die Reporter-Teams und die haben auch die komplette Verantwortung über ihre Inhalte bis zur Qualitätskontrolle.
Also da gibt es eben auch jetzt niemanden, der hinterher sozusagen drauf schaut und dann dem Reporter-Team sagt, ja, das habt ihr jetzt gut gemacht oder ihr müsst noch das und das irgendwie verändern, sondern eben diese Qualitätskontrolle ist Teil der Teams und das müssen die in sich hinkriegen. Und die müssen auch selber auf ihre Zahlen schauen. Das ist Teil der Qualitätskontrolle. Ja, es ist auch ein schöner Ansatz, wenn man dann quasi dieses Ownership-Gefühl auch hat, egal an welchem Punkt man sitzt. Also ich bin dafür zuständig, dass dieses Element der Veröffentlichung sozusagen abgeschlossen ist.
Ich bin dafür vielleicht auch ein bisschen haftbar oder ein bisschen ansprechbar dafür, wenn da etwas schief geht. Aber alles andere, was ich nicht beeinflussen kann, ist quasi bei anderen Leuten hinten. Finde ich Das finde ich einen sehr schönen Ansatz. Mein Kollege Stefan Zeruba, der auch Mitglied der Chefredaktion ist, hat das mal in einem Satz sehr schön zusammengefasst: "Themenmanager sorgen dafür, dass wir die richtigen Themen machen und Reporter sorgen dafür, dass wir die Themen richtig machen." Also das sind tatsächlich die Spezialisten darin, wie wir Themen erzählen. Schöne Aussage und sehr verständlich auf jeden Fall.
Wie weit seid ihr mit dem Redaktion 25 Thema jetzt? Also ich habe gesehen, ihr seid jetzt gerade an der Suche, an der Stellenausschreibung, vor allem intern, richtig? Genau, also wir haben die Planungsphase letztes Jahr abgeschlossen. eben auch präsentiert intern. Interne Kommunikation war ein ganz wichtiger Teil des Projekts.
Da mussten wir auch viel lernen noch, haben wir auch ein bisschen Lehrgeld bezahlt, aber haben uns da ganz gut weiterentwickelt. Und wir haben dann eben im ersten Schritt die neuen Führungspositionen ausgeschrieben, weil das ein Wunsch war aus der Mannschaft. Die Kolleginnen und Kollegen haben gesagt, wenn ich mich ein neues Team bewerbe, wüsste ich ganz gern, wer da meine Führungskraft ist. Deswegen haben wir erst eben die Führungspositionen ausgeschrieben und besetzt. Und jetzt haben wir eben die Phase seit gut einer Woche, dass eben alle Stellen in der neuen Organisation, also alle journalistischen Stellen, muss man sagen, alle Redakteurstellen, neu ausgeschrieben sind und die Kolleginnen und Kollegen sich bewerben.
Und die Frist geht noch bis Ende nächster Woche. Und dann sichten wir die Bewerbungen und stellen dann die Teams so auf, dass wir möglichst diese Wünsche der Kolleginnen und Kollegen auch berücksichtigen können. Aber wir brauchen natürlich auch ein funktionierendes Team. Also kann sein, dass wir da auch noch ein paar Gespräche führen müssen und einzelne Kollegen davon überzeugen müssen, dass sie an einer anderen Stelle vielleicht noch wertvoller sind. Aber wir sind da ganz zuversichtlich, dass sich das eigentlich ganz gut aufstellt.
Wir reden da sehr, sehr viel drüber und das ist tatsächlich ein ganz wichtiger Effekt auch von diesem Projekt, den ich vorher gar nicht so auf dem Schirm hatte. Einerseits reden wir sehr viel auch über unser berufliches Selbstverständnis als Journalistinnen und Journalisten. Und gerade auch durch diese Bewerbungen, das hat mir, also ich habe gestern eine Bewerbung gelesen von einem wirklich langjährigen Kollegen, der damit eingeleitet hat sein. Also wir haben die Kollegen auch wirklich gebeten, Motivationsschreiben zu verfassen. Die müssen jetzt nicht ausufernd sein, sind aber unterschiedlich lang.
Der eine schreibt nur ein paar Zeilen, der andere wirklich mehrere Seiten. Und der Kollege hat relativ ausführlich geschrieben und hat eben auch damit eingeleitet, dass er geschrieben hat: Ja, fühlt sich komisch an, sich zu bewerben, obwohl er eigentlich ja seinen Job gar nicht wechseln will. Er will mehr oder weniger an der Stelle bleiben, wo er ist. aber auch für ihn sehr wertvoll, eben sich mal selber zu reflektieren und mal zu überlegen, was sind eigentlich seine Stärken, wo sieht er die, warum macht er den Job eigentlich, was ist seine Motivation, was möchte er gern machen und das ist ein sehr schöner Prozess. Die allermeisten, wenn sie es sich aussuchen hätten können, hätten sie auch darauf verzichtet wahrscheinlich, aber ich glaube, es kann trotzdem ein wertvoller Prozess sein.
Ja, also das kann ich mir sehr, sehr gut vorstellen. Für dich, du warst ja davor auch schon länger, so wie ich gesehen habe, in der Organisation, also in der Redaktionsorganisation tätig. Das ist ja kein kleines Projekt, also das ist ja kein Mini-Experiment, sondern das ist ja schon eine größere Umstellung. Was hast du da jetzt quasi für dich mitgenommen, welche Sachen sehr gut funktionieren, welche Sachen vielleicht auch nicht funktionieren, wenn man so eine Großumstellung macht? Also was, ich habe es gerade schon kurz angedeutet, was ein Riesen-Learning für mich war, war die Art und Weise, wie man in solchen Projekten kommunizieren muss.
Ich habe früher halt meistens sehr stark prozess- und sachbezogen kommuniziert. Ich habe gesagt, okay, bisher haben wir so und so gearbeitet. Aus diesen und jenen Gründen, die wir uns gut überlegt haben, arbeiten wir in Zukunft so und so. Hat ja auch oft auch viel mit Technik zu tun, mit Redaktionssystemen, wo es halt dann einfach um ganz profane Dinge geht, wie statt hier zu klicken, musst du in Zukunft da hinklicken oder du musst dieses und jenes Feld ausfüllen. Wenn man in ein Projekt geht, wo es tatsächlich für alle in der Redaktion um die eigene berufliche Zukunft geht, darum, wo arbeite ich in Zukunft, wer wird meine Führungskraft sein, wer werden meine Kollegen sein, was werden meine Aufgaben sein, was werden meine Aufgaben nicht mehr sein, das ist im Change oft schwieriger, dann muss man auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren.
Und diesen Fehler haben wir am Anfang gemacht. Wir haben sehr sachlich kommuniziert. Und wir haben es versäumt, tatsächlich eine Vision für uns zu erarbeiten und die auch zu kommunizieren. Da haben wir das dann gemerkt und die Swanty Dake hat uns dann dabei unterstützt. Dann sind wir wirklich nochmal in Klausur gegangen mit ihr als Moderatorin und haben eben diese Vision entworfen und sind dann mit dieser Vision nochmal in die einzelnen Redaktionen, in die einzelnen Teams gegangen und haben da mit den Kolleginnen und Kollegen diskutiert und haben dann festgestellt, okay, jetzt kommen wir auf einer ganz anderen Ebene auch an bei den Kolleginnen und Kollegen.
Also das war für mich so das größte Learning. Auch diese, wie wichtig Redundanz in der Kommunikation ist. Gerade für uns als Journalisten sollten wir uns immer auch mal wieder bewusst machen, nur weil ich mal geschrieben habe, irgendwie das und das ist so und so, heißt es noch lang nicht, dass jeder das wahrgenommen hat, selbst falls er den Text gelesen haben sollte. Und das war auch so wichtig. Also unter anderem, ich kann es jetzt gar nicht in der ganzen Breite ausfüllen, das wäre allein ein Thema quasi, Kommunikation und Change.
Aber unter anderem haben die Kollegen dann vorgeschrieben, so ein anonymes Fragetool einzusetzen. Und ich war da am Anfang sehr dagegen, weil ich gesagt habe, ich will eigentlich in der Redaktion ein Klima haben, wo sich jeder jedem alles fragen traut. Aber habe dann auch gemerkt, naja, das zu wollen ist das eine. Ob wir tatsächlich schon so weit sind, ist das andere. Und diese Möglichkeit ist sehr gut angenommen worden.
Also viele Kolleginnen und Kollegen haben da Fragen gestellt, haben auch gefragt. Anmerkungen gemacht, auch ihre Bedenken geäußert. Und wir konnten darauf dann wiederum reagieren, haben dann immer diese Fragen quasi kommuniziert und darauf geantwortet, auch dann wieder in die ganze Mannschaft. Ganz eine persönliche, weil es war tatsächlich anonym. Und das hat uns sehr geholfen in dem Prozess.
Also insgesamt, glaube ich, der Redaktion, aber auch uns als Kernteam, als Projektkernteam, auch zu verstehen, was die Kolleginnen und Kollegen so umtreibt. Ja, das kann ich voll nachvollziehen. Das finde ich auch immer spannend zu sehen, in den ja doch noch oftmals sehr hierarchischen Verlagsunternehmen, gerade in Mediengruppen. Und es ist ja eigentlich noch das Sie auch Standard, also dass man sich formell anspricht mit dem Sie und den Nachnamen. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber dass da dann auch durch diese Nachnamen durch dieses Setup im Endeffekt einfach auch so ist, dass man oft nicht sich traut, Dinge direkt anzusprechen oder vielleicht jetzt dem Gegenüber nicht jetzt irgendwie eine Frage zu stellen, die vielleicht sogar persönlich als Angriff gesehen werden könnte.
Also das sind dann oft so vermeintliche Kleinigkeiten, aber also ja, mit diesem Du-und-Sie-Thema beschäftige ich mich auch gerade. Wir haben zum Beispiel jetzt auch beschlossen, dass wir als künftige Chefredaktion nicht mehr in Einzelbüros oder Zweier, wie wir momentan sitzen. Selbst wenn wir sagen, da ist die Tür meistens offen, aber es ist trotzdem auch eine offene Tür, es ist eine größere Hemmschwelle. Mit der neuen Struktur kommt natürlich auch eine neue Sitzordnung, wie das in Verlagen immer so ist. Alle zwei Jahre muss man mal umziehen.
Wir werden tatsächlich als Chefredaktion dann auch im Newsroom sitzen, also quasi mitten in der Mannschaft. Das ist sehr cool. Finde ich super spannendes Thema. Also das verfolge ich gerne weiter. Da ist gut, dass du auf LinkedIn auch aktiv postest, einfach, dass man das auch von außen so ein bisschen mitbekommt, wie sich das entwickelt.
Hoffentlich teilst du da auch ein bisschen so die Erfolge und vielleicht auch die Misserfolge jetzt in den nächsten Monaten, auch mit dem Hiring, dem internen und Ähnlichem. Aber ja, Redaktion 25 ist ein super spannendes Thema. Ist aber natürlich nicht das Einzige, was ihr Spannendes macht, vor allem wenn man auch ein bisschen außerhalb von dem organisatorischen Organisationsentwicklungsthema schaut, sondern ein bisschen Richtung Technik, Daten, KI, wer hätte es gedacht, ihr seid voll in der Personalisierung von eurer Home-Seite drin, also was die NutzerInnen sehen, die LeserInnen sehen, ist bei euch personalisiert, ne? Genau. Also tatsächlich ist es so, mein Kollege Tom Webel ist da inzwischen auf mehreren Veranstaltungen da, Speaker, unter anderem bei Piano natürlich, aber nicht nur.
wenn es eben um die personalisierte Ausspielung von Inhalten vor allem geht. Und wir haben da seit 2020, als wir mit Piano angefangen haben, oder so Ende 19, Anfang 20, haben wir da eine ziemliche Reise hinter uns. Am Anfang nur mit personalisierten Newslettern. Da haben wir sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht. Es ist ja tatsächlich bei uns so, dass die überwiegende Zahl der Newsletter personalisiert ist und wir in der Regel auch keine Newsletter schreiben.
sondern unsere Newsletter sind in aller Regel das, was manche Kollegen in der Branche gern despektierlich linkschleudern nennen, aber wir haben damit tatsächlich die besten Erfahrungen gemacht und wir haben auch auf der Auf der Seite, also im Portal tatsächlich viel personalisiert und es gab immer noch so eine heilige Kuh, das war die Topbox auf der Stadtseite. Da ist es immer noch, also da, das ist sozusagen die letzte Bastion, da müssen wir schon händisch kuratieren. Tom Bibel hat dann gemeinsam mit einem Bacheloranten, der dann bei uns war, der seine Bachelorarbeit darüber geschrieben hat, und auch mit Piano gemeinsam getestet, die Personalisierung in dieser Topbox auf der Home. Und der Test war klar, also einfach es ging darum, wie viele Leute klicken tatsächlich auf Artikel, je nachdem in welchem Grad die Topbox auf der Home personalisiert ist. Und das Ergebnis war sehr eindeutig, kann man kurz zusammenfassen, der Algorithmus gewinnt fast immer.
Also es war immer so, dass die Abonnentinnen und Abonnenten, denen wir stark personalisiert Inhalte ausgespielt haben, immer mehr geklickt haben als die, die eben eine kuratierte Topbox gesehen haben. Die einzige Ausnahme und über die sind wir eigentlich sogar ganz froh, auch jetzt als Journalisten. ist bei Abonnenten, die auf die Seite kommen, da gewinnen tatsächlich die erfahrenen Digidesk-Redakteure, wenn die kuratieren, gewinnen sie gegen den Algorithmus. Aber tatsächlich, und der genaue Blick darauf hat das nochmal bestätigt, eigentlich die Erkenntnis, tatsächlich nur die Erfahrenen. Also wir hatten gerade damals, da kommen wir jetzt gerade ein bisschen weg davon, zumindest zum Teil, aber damals hatten wir auch noch die Situation, dass sehr oft da Volontärinnen und Volontäre am Wochenende halt diesen Digidesk-Dienst gemacht haben, da die Topbox kuratiert haben.
oder eben auch junge Redakteurinnen und Redakteure, die eigentlich an einer anderen Stelle eingesetzt waren im Lokalen, die aber so im Wechsel immer so einmal im Quartal oder so da mal ein, zwei Wochen am Digitest waren. Und die haben tatsächlich nicht gegen den Algorithmus gewonnen, sondern tatsächlich, wenn die Kolleginnen und Kollegen, die es halt die ganze Woche machen, wenn die sozusagen am Ruder waren, dann haben die gegen den Algorithmus gewonnen. gewonnen. Und wie gesagt, nur bei den Abonnenten. Das heißt, da ist es schon noch dieses Verständnis, was sind denn die Themen, die viele unserer Abonnentinnen und Abonnenten interessieren.
Das ist schon noch sehr, sehr wichtig. Und auch dieses Know-how, dieses Wissen, diese Fähigkeit, Aber ansonsten tun wir besser dran, wenn wir uns auf die Algorithmen verlassen, die eben den Leserinnen und Lesern die Inhalte ausspielen, die sie auch interessieren. Weil es tatsächlich auch was mit der Markenwahrnehmung und auch mit der Bindung ans Produkt macht. Also wenn ich auf eine Seite gehe, wo ich ständig, wenn ich drauf schaue, quasi mir denke, das Thema ist interessant, das Thema ist interessant, dann gehe ich da halt auch. eher hin und das ist ja gerade mit Blick auf Abhängigkeit von Social Media Plattformen, von Suchmaschinen halt für uns auch wichtig, dass wir es halt schaffen, möglichst viele Leute dazu zu kriegen, dass sie direkt zu uns kommen.
Ja, klar. Habt ihr da irgendwelches Feedback von den LeserInnen auch bekommen oder war das fließender Übergang für die, dass sie eigentlich gar nicht so richtig wissen, dass das für sie eine, ja, Unique Experiences, weil es personalisiert ist? Ne, also da gab es kein Feedback. Wir haben es aber, muss man sagen, auch nicht groß kommuniziert. Wir haben ein bisschen darüber diskutiert.
Ich persönlich bin der Meinung, dass so dieses Label "Handkuratiert" von Journalisten für dich gar nicht so positiv wahrgenommen wird von den meisten tatsächlich. Weil, also natürlich müssen wir als Journalistinnen und Journalisten immer eine Auswahl treffen aus einem Nachrichtenangebot. Das ist uns bewusst und ein Stück weit ist es natürlich auch den Leserinnen und Lesern bewusst. Aber wenn man dann mit ihnen darüber diskutiert, wird es halt oft als Bevormundung wahrgenommen. Ob es den Lesern jetzt lieber ist, wenn sie von einem Redakteur bevormundet werden oder vom Algorithmus, weiß ich nicht.
Da müsste man sich wahrscheinlich selber fragen und da gibt es wahrscheinlich unterschiedliche Ansichten. Ich glaube, dass inzwischen, also gerade die Jüngeren sind es halt gewöhnt, dass Algorithmen ihnen Dinge vorschlagen, die für sie besonders interessant sind. Und die sind dann eher erstaunt, wenn dann in dem Angebot auf einmal Dinge drin sind. Warum sehe ich das jetzt? Kann ich mir gar nicht erklären.
Das ist doch ein Thema, das mich nicht interessiert, mit dem ich mich noch nie beschäftigt habe. Ja, aber macht ihr das als Vollpersonalisierung, also ist quasi alles, was die NutzerInnen, LeserInnen dann sehen, ist das quasi personalisiert, sodass, wie du sagst, das meiste, was sie sehen, auch ihren Interessen entspricht, was ja theoretisch dann wiederum so ein bisschen Filter-Bubble-mäßig wirken könnte oder in sowas resultieren könnte? Oder ist das schon noch eine Mischung zwischen generellen Inhalten plus dann den Dingen, die diese LeserInnen speziell dann interessieren könnten? Also das hängt natürlich, also es ist voll personalisiert zum allergrößten Teil. Also ob tatsächlich ein Algorithmus dann auch immer wieder austestet, andere Themen einspielt, das hängt dann davon ab, wie gut der Algorithmus ist.
Da müssen wir uns ein Stück weit natürlich auf die Dienstleister verlassen. Ja, genau. Also Piano berechnet da sehr viele Faktoren ein, wo es natürlich schon Unterschiede gibt. Also es geht nicht nur um die persönlichen Interessen der Nutzerinnen und Nutzer, also was hat der Nutzer, der zu uns kommt, schon gelesen sozusagen. auf welchen Artikeln war der schon, sondern es geht natürlich auch um eine Einstufung, wo ist der in seinem Verhältnis zu uns, also ist der das erste Mal auf der Seite, kommt der sehr regelmäßig, ist er eben Abonnent oder ist er ehemaliger Abonnent oder was auch immer.
Also da hängt es dann zum Beispiel eben davon ab, wie viele Plusartikel kriegt er in der Topbox angezeigt. Ja. Ein Abonnent wird in der Regel fast immer Plusartikel angezeigt bekommen in der Topbox. Ein Nicht-Abonnent wird halt auch viele freie Inhalte angezeigt bekommen, weil wenn der natürlich das erste Mal auf die Seite kommt und sieht, okay, hier gibt es nur Inhalte, die ich nicht lesen kann, ohne ein Abo abzuschließen, dann ist er auch wieder weg. Und gerade diese Balance zu finden, das kann halt ein Algorithmus deutlich besser machen.
Ja, das glaube ich. Was das Inhaltliche angeht, ist es natürlich auch so, wir haben uns jetzt gerade vor kurzem mit Kolleginnen und Kollegen aus Tschechien unterhalten, hier bei uns in der Nachbarschaft, quasi in Böhmen. Da gibt es diese DENIC-Gruppe und die haben 37 lokale Nachrichtenportale. Also da ist quasi jeder größere Ort hat ein eigenes Nachrichtenportal. Und da musst du natürlich nicht groß noch irgendwie personalisieren, sondern da ist die Personalisierung halt dadurch, dass jemand eben auf das Nachrichtenportal seines Ortes geht.
Das ist was, das haben wir auch mal diskutiert, ob wir uns da in die Richtung aufsplitten, haben uns aber dagegen entschieden, haben gesagt, wir gehen mit einem Portal für die ganze Region. Und dann muss man eben diese Personalisierung machen, weil gerade im Lokalen ist halt dieses lokale Interesse schlägt halt alles. Und natürlich ist es eben, wenn wir sagen, es werden Themen vorgeschlagen, personalisiert, dann hat es halt sehr viel auch damit zu tun, wo diese Themen spielen. Also spielt es an meinem Wohnort oder halt. am anderen Ende sozusagen unseres Berichterstattungsgebiets, wo halt dann irgendwie 100 Kilometer dazwischen liegen.
Ja, ich finde das interessant, dass ihr das quasi so lange, in Anführungszeichen, auch schon macht mit der Personalisierung. Gefühlt mit den Personen, mit denen ich bisher auch so ein bisschen gesprochen habe, jetzt nicht nur im Podcast und auch extern, ist das so die Königsdisziplin. Also die... Kuratierung und die Platzierung abzugeben an so eine KI, in Anführungszeichen, ist schon ein Riesenschritt. Also da finde ich spannend, dass ihr so experimentierfreudig seid.
Also wie setzt ihr das im Team um, dass da die Leute auch mitgehen? Da muss ich jetzt gerade ein bisschen lachen, weil ich muss an eine Branchenveranstaltung denken, 2019. Also wir waren damals beim ersten Facebook Accelerator dabei. Das war diese Initiative, angeschoben von Facebook, aber tatsächlich hat sich Facebook da inhaltlich nicht eingebracht. Und es ging darum, eben mit...
Expertinnen und Experten viel aus den USA, aber auch aus dem skandinavischen Raum quasi darüber zu sprechen, so als deutsche Publisher, wie gehen wir das an. Und da waren auch von den deutschen Publishern waren viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Abo-Marketing tatsächlich dabei und die haben dann, dann war ganz oft so an solchen Punkten zum Beispiel, ja also wenn es darum geht, welche Inhalte spielen wir denn auf einer Startseite aus, Da war ganz oft die Frage: "Ja, wie bringt ihr denn die Redaktion dazu, das zu machen?" Und dann haben wir immer gelacht und gesagt: "Wir sind die Redaktion." Das ist halt der Unterschied. Also wir sind von Anfang an mit diesem Anspruch rangegangen: Wir als Redaktion sind dafür verantwortlich, dass wir unsere Leserinnen und Leser erreichen. Deswegen haben wir auch dann konsequenterweise den klassischen Lesermarkt. vor drei Jahren ungefähr in die Redaktion integriert.
Und deswegen, also da gibt es diese Hürde sozusagen, die andere Verlags, gerade auch oft die großen, diese Hürde zwischen oder diese Barriere zwischen Lesermarkt, Product Management und Redaktion, die gibt es bei uns nicht, weil wir uns als ein Team begreifen. Ja, das ist eine schöne Begründung, warum es da keine Barrieren gibt. Wie macht ihr das mit Social Media? Also was für Plattformen bespielt ihr und wie präsent seid ihr da? Also Facebook ist für uns nach wie vor am wichtigsten für Reichweite auf den Inhalten.
Ich habe vorhin schon mal den Begriff Linkschleuder zusammen mit den Newslettern verwendet. Das ist Facebook im Prinzip für uns. und ja, da muss man dann ein paar Debatten moderieren, aber das ist, muss man sagen, leider auch nicht mehr so viel wie früher. Also leider einerseits sind die Kollegen natürlich ein bisschen froh, weil es manchmal schon sehr belastend war oder auch immer noch ist und viele Kapazitäten gebunden hat, aber es hat halt auch damit zu tun, dass Facebook immer weniger Rolle spielt. Aber also wie gesagt, Facebook ist klassisch bei uns.
Wir posten einen Link auf einen Artikel, Leute klicken auf den Artikelquiz. Instagram geht es mehr in Richtung Community Building. Also da sind wir gar nicht so sehr mit den Artikeln unterwegs, sondern mehr mit den Podcasts zum Beispiel, um dafür wirklich so eine Community aufzubauen. Und TikTok, muss man ganz ehrlich sagen, sind wir bisher mit redaktionellen Inhalten gescheitert. Das haben wir mal ein bisschen versucht.
Es gibt ein paar zarte Ansätze, aber momentan konzentrieren wir uns da bei TikTok eher auf Employer Branding und versuchen uns da eben als Arbeitgeber ein bisschen zu zeigen. Mit journalistischen Inhalten haben wir es bis jetzt noch nicht geschafft. Werden wir sicher auch nochmal versuchen. Wir werden versuchen, da Konzepte zu finden. Es gibt einen Ansatz bei uns mit so Good News, so regelmäßige Good News Videos.
Aber ehrlicherweise muss man halt sagen, die Reichweiten, die man auf der Plattform als klassischer Medienhauskanal gewinnen kann, die sind halt lächerlich. Und das, was TikTok eigentlich ausmacht, diese starke Fokussierung auf eine Person, das können wir halt als klassischer Arbeitgeber nicht leisten. Ich habe jetzt zum Beispiel auf TikTok auch heute Morgen so einen Rückblick gesehen von einer Creatorin, die im vergangenen Jahr jeden Tag ein Video gepostet hat. Das kann ich machen, wenn ich selbstständig bin, sozusagen eigenständiger Creator, aber ich kann nicht als Arbeitgeber sozusagen zu einem Mitarbeitenden von mir gehen und kann sagen, also dein Auftrag für das kommende Jahr, du postest jeden Tag ein Video. Ich habe aber auch mal Urlaub und Wochenende und ich habe eine Wochenarbeitszeit und ich bin einmal krank zwischendurch und ich würde auch gerne mal auf der Fortbildung fahren oder was auch immer.
Also das Das, was da zieht, das können wir so nicht als Medienhäuser leisten. Aber gut, das war am Anfang auf Instagram ähnlich und hat sich da auch entwickelt. Und ich denke, so wird es auf TikTok auch sein. Also wird da Entwicklung geben. Und irgendwann werden wir da auch die Chance haben, auch mit Inhalten eben ein jüngeres Publikum zu erreichen.
Ja, es ist spannend, dass ihr dann trotzdem sagt, okay, wir machen ein bisschen Employer-Branding für junge Zielgruppen, dass man auch ein bisschen zeigt, hey, es kann auch cool sein, bei einem Medienhaus zu arbeiten, auch für die jüngeren Leute. Gerade wir haben da halt auch vielleicht dann irgendwelche Bewerbungen und sowas dann abzuziehen, weil der direkte Link aus TikTok ist ja eh nicht da, also man kann ja was ins Profil posten als Link, aber das war es dann auch vorher. Da gibt es ja keine direkte Verlinkung. Kommt tatsächlich auch ein spannender Podcast hoffentlich, dann nehme ich ein paar Fragen auf jeden Fall jetzt aus der Folge mit, mit der Hochkant-Verantwortlichen bei der Zeit. Die haben ja sehr, sehr erfolgreich auch TikTok-Kanäle gebaut und machen da eine sehr, sehr, scheinbar sehr gute Strategie, haben da eine gute Herangehensweise, dass sie auch wirklich nur TikTok-Content auf TikTok posten.
Also, ja, super spannend, was man da machen kann. Aber mal gucken. Also wir haben ja zwei junge Portale, Weiden24 und Amberg24, wo wir tatsächlich versuchen, so die Zielgruppe so zwischen 16 und 30 zu erreichen. Und das funktioniert natürlich auf TikTok deutlich besser. Und da gab es zum Beispiel so eine Anekdote, wo wir ab und zu noch darüber reden.
Letztes Jahr haben die Kolleginnen mal hier in der Redaktion ein Video gedreht. Und dann hat Nutzer darunter kommentiert, hey, was macht ihr denn bei denen vom O-Netz? Also die haben anscheinend die Redaktionsräume erkannt und haben gesagt, warum seid ihr bei denen? Und dann war die Antwort von der Kollegin Wirt Schillen ab und zu bei denen im Büro. Also wir bewerben quasi auf den Portalen gar nicht groß, dass die zu uns gehören, aber eben über Social Media stellen wir dann diese Verbindung wieder her und hoffen halt eben dann die jüngeren Zielgruppen halt an uns als Haus und auch an die anderen Marken ranzuführen.
Wobei wir jetzt nicht davon ausgehen, dass die dann irgendwann ein Tageszeitungsabo bestellen. Höchst wahrscheinlich nicht, nee, das stimmt. Aber man kann ja, eine Markenbindung hat ja erstmal nichts mit Kundengewinnung direkt zu tun, sondern man kann ja auch quasi investieren, um dann die Leute in Zukunft irgendwo mitzunehmen oder zumindest dann die Anlaufstelle zu sein für Informationen, sei es auch ein Digital-Abo oder ähnliches. Also gibt es ja schon Möglichkeiten. auch.
Aber das ist ja schon wirklich ausgiebig, was ihr alles macht an Experimenten, was ihr alles macht an Umstellungen. Also super spannendes Thema, wie gesagt. Das finde ich sehr cool. Ich staube mal ein bisschen über den Begriff Experiment, weil das klingt immer so, als würde uns quasi irgendwas beliebiges einfallen. Und dann probieren wir das einfach mal aus.
Das ist tatsächlich fast nie der Fall. sondern wir testen halt Dinge, die wir sehr oft auch bei anderen sehen. Also wir sind ja im Verhältnis jetzt Deutschland ein relativ kleines Haus, selbstständig auch nach wie vor und das ist auch der Grund, warum viele Dinge gut bei uns funktionieren. Aber wir haben halt keine 90-köpfige Markt- und Verkaufsverkaufsverkaufs, Produktentwicklungsmannschaft. Das heißt, wir schauen natürlich auch viel, was machen andere, was funktioniert und dann versuchen wir das bei uns umzusetzen und sind dann tatsächlich manchmal durch die Strukturen, die wir haben, schneller als die.
Und dann kommt es auch schon mal vor, dass ein wirklich großer deutschlandweit agierender Publisher halt bei uns anklopft und sagt, wie macht ihr das jetzt mit Piano? Genau, wir kriegen das irgendwie nicht. Das ist gar nicht so selten. Es ist dann aber auch ein schönes Label, wenn man dann so angesprochen wird von den Großen. Klar, also da muss man sagen, dieser Austausch auch innerhalb der Branche, der passiert wirklich auf Augenhöhe zwischen allen Publishern und das Schöne an dieser Branche ist, dass wir uns in aller Regel ja nicht als Wettbewerber verstehen.
sondern da sehr offen miteinander umgehen bis hin zu, dass man sich gegenseitig die Zahlen zeigt und so, das funktioniert schon sehr, sehr gut. Ja, das habe ich jetzt schon sehr oft gehört, dass gerade im Regionalen, dass das eigentlich ein schönes Setup ist, ich meine, außer jetzt in Berlin oder wahrscheinlich auch in Hamburg, da gibt es dann so ein bisschen die Faustkämpfe, aber das ist ja… Selten der Fall. Mit Blick auf die Zeit, Kai, noch eine letzte Ausblicksfrage, wie du jetzt so ein bisschen die Zukunft, beziehungsweise nicht die Zukunft, sondern die kommenden Monate, Jahre siehst in Bezug auf deine Hoffnungen. Was macht dir Hoffnung? Wo siehst du auch große Herausforderungen, die jetzt kommen werden?
Was passiert vielleicht auch gar nicht tatsächlich? Das finde ich auch immer spannend. Und wo geht es jetzt hin für euch? Also für uns war wirklich die Erkenntnis jetzt aus den letzten Jahren, dass gerade wenn man auf eine digitale Abo-Struktur, Abo-Strategie schaut, wenn man darauf schaut, was sind da die wichtigen Zahlen, nämlich die Zahlen, die auf die Retention einzahlen, also wie lange sind Abonnentinnen und Abonnenten bei uns auf den Inhalten, wie lange beschäftigen sich die mit den Inhalten, dann kommen wir immer wieder eigentlich auf gut gemachten Lokaljournalismus zurück. Also da gewinnt immer sozusagen das journalistische Handwerk und die journalistische Exzellenz.
Und das ist das, worauf wir uns wirklich besinnen und konzentrieren wollen in den kommenden Jahren. Es gibt so, sagen wir mal, oft in diesen sehr lokalen Häusern, zumindest in der Vergangenheit, gab es viele Kolleginnen und Kollegen, die sich so sehr bequem eingerichtet haben in dieser Nische. Irgendwie, ich schaue morgens, was die freien Mitarbeiter mir über den Zaun werfen, macht das irgendwie halbwegs passabel. bau das auf die Seiten und zwischendurch gehe ich vielleicht noch auf einen Termin und schreibe in indirekter Rede auf, was der Bürgermeister sagt und was jemand anders sagt und gebe das dann wieder und damit habe ich meinen Job als Lokaljournalist gemacht. Das war lange tatsächlich, ich sage das ganz emotionslos, das Selbstverständnis vieler Lokaljournalisten und Lokaljournalisten, Und davon müssen wir halt weg.
Also wir müssen ein ganz neues Selbstbewusstsein aufbauen für unsere Rolle, auch für unsere Rolle in der Gesellschaft. Und ja, wir müssen unbequemer werden, glaube ich, für die Leute, mit denen wir zu tun haben, für Politiker, für Unternehmer. und müssen da genauer hinschauen und müssen halt vor allem eben auch immer darauf schauen, was erwarten unsere Leserinnen und Leser von uns. Und alles, womit sich die Branche sonst so beschäftigt, irgendwie Plattformen, sei es Google, sei es die Social Media Plattformen, sei es Politik, ob wir jetzt irgendwann mal eine Zustellförderung kriegen oder nicht, Aber das sind am Ende alles Nebenkriegsschauplätze. Am Ende ist wichtig, dass wir den Journalismus machen, den die Leserinnen und Leser von uns erwarten und den aber auch wir selber von uns erwarten.
Also wir müssen selber auch einen Qualitätsanspruch haben, aber der muss sich immer auch orientieren an dem, was die Leser von uns erwarten. Und darauf wollen wir uns möglichst konzentrieren in den nächsten Jahren. Und natürlich dann schon auch noch eben schauen, dass wir die Inhalte auch mit dem jeweiligen aktuellen technischen Setup an die Leute kriegen. Also wir beschäftigen uns nach wie vor natürlich mit Apps gerade. Also gerade großes Thema bei uns Hybrid-App, also Web-Apps.
gehen wir in Richtung Hybrid. Momentan haben wir getrennt eine News App, Pepper App und eine News App. Wollen wir das irgendwie zusammenführen? Das sind so Themen, Redaktionssystem, mit welchen Systemen arbeiten wir und, und, und. Aber das muss alles, quasi ist wichtig, aber es muss am Ende alles Nebensache sein.
Am Ende muss es um den Journalismus gehen. Definitiv. Finde ich einen sehr schönen Ausblick. Danke für die Zeit, Kai. Danke für die Insights.
Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und vielleicht hört man sich ja dann in einem Jahr oder so nochmal. Ja, würde mich freuen. Perfekt. Danke dir.
Bis dahin. Ciao. Ciao. Dieser Podcast wird produziert von der Explo GmbH. Wenn auch du neue Zielgruppen über digitale Produkte binden und deine Content-Produktions-Workflows automatisieren willst, dann kontaktiere mich auf LinkedIn oder vereinbare eine unverbindliche Demo direkt auf unserer Website explo-gmbh.de.
Wir sehen uns in der nächsten Folge.